Zwischen Visp und Zermatt erforderte eine skulpturale Bruecke ein vollstaendiges CFUP‑Ummantelungssystem, um das Erscheinungsbild einer einteilig gegossenen Strebenbruecke zu bewahren und gleichzeitig den strukturellen und oertlichen Anforderungen gerecht zu werden.
Im Rahmen eines Instandsetzungsprojekts auf dem Eisenbahnabschnitt zwischen Visp und Zermatt waren Eingriffe an mehreren Bruecken und Tunneln im Bereich Stalden erforderlich.
Die Mühlebachbruecke, entworfen vom Ingenieur Alexandre Sarrasin (1895–1976) und 1959 erstellt, zeichnet sich durch zwei geneigte Streben aus, welche den Ueberbau tragen und den Eindruck vermitteln, das gesamte Bauwerk sei aus einem Guss gefertigt. Diese Bauwerksform der Strebenbruecke folgt dem Kraftfluss und unterstreicht die Bedeutung der Querung; sie zaehlt zudem zu den wenigen Eisenbahn‑Strebenbruecken in der Schweiz.
Nach mehr als 60 Betriebsjahren wies die Bruecke einen allgemein schlechten Zustand auf, mit mehreren ausgepraegten Rissen infolge der Alkali‑Kieselsaeure‑Reaktion (AKR). Untersuchungen zeigten eine pathologische Schaedigung des Betons, insbesondere in wasserexponierten Bereichen. Trotz dieser Maengel entschied man sich fuer die Instandsetzung der bestehenden Struktur.
Die gewaehlte Loesung bestand in einer vollstaendigen Ummantelung der Fundamente, Streben und Pfeiler. Nach der Hydrodemolition des durch AKR geschaedigten Betons wurde eine neue Schicht aus ultrahochleistungsfaehigem Faserbeton (CFUP) aufgebracht. Dank seiner Festigkeit verstaerkt er das bestehende Tragwerk, und aufgrund seiner Dichtigkeit stoppt er laufende Schaedigungsprozesse. Der Ueberbau wurde verstaerkt und mittels einer CFUP‑Wanne verbreitert, um die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege auf der Bruecke sicherzustellen.
Der Einsatz von CFUP im Massstab eines gesamten Brueckenbauwerks ist bislang wenig verbreitet. Er erforderte eine intensive interdisziplinaere Abstimmung sowie eine besonders praezise Ausfuehrung, um das elegante Erscheinungsbild einer aus einem Guss wirkenden Beton‑Strebenbruecke zu erhalten.
Die Bauarbeiten fanden in einem anspruchsvollen geografischen Umfeld mit steilen Schluchten und eingeschraenkten Zugangsmoeglichkeiten statt. Erforderlich waren der Bau eines vollstaendigen provisorischen Arbeitsstegs, der Materialtransport per Bahn und per Helikopter sowie die Aufrechterhaltung des Bahnverkehrs waehrend der Arbeiten, mit Ausnahme einer jaehrlichen Sperrung fuer den Unterhalt der Gleisanlagen.
Bauherrschaft: Matterhorn Gotthard Bahn
Ingenieure: Ingenieurgemeinschaft IG AFRY‑INGPHI; Fachverantwortung Bruecken: INGPHI
Unternehmen Brueckenbau: ARGE MGB Merjen, Volken AG – Schmid Bautech AG







